Middlebury 3302: Lebensbewältigung

Kursplan für Literatur 3302: Lebensbewältigung und Sinnsuche in der deutschen Literaturgeschichte: Vom Mittelalter bis zur Gegenwart

Kursleiter: Dr. Albrecht Classen

Zoom link

Sprechstunden: immer per zoom, auch per email (aclassen@middlebury.edu), zoom (https://arizona.zoom.us/j/97291834166 (Links to an external site.)) oder FB Messenger erreichbar

Klassentreffen:

Kursbeschreibung: Literatur ist nicht einfach ein Medium der Unterhaltung. Gute Literatur, wie gute Filme, visuelle Dokumente, Architektur oder Musik, provoziert, belehrt, informiert, öffnet neue Perspektiven und lädt zur weiteren Reflexion ein. Dieser Kurs widmet sich daher einer Reihe von Texten unterschiedlicher Gattungen vom Mittelalter bis zur Gegenwart, in denen verschiedene Lebenssituationen präsentiert werden, durch die unsere eigene Sinnsuche initiiert oder fortgeführt werden kann. Wir werden bewusst vom Mittelalter zur Moderne und dann wieder zur Vergangenheit springen, um deutlich zu machen, dass in der ganzen deutschen Literatur fundamentale Themen angesprochen wurden, die bis heute von großer Relevanz geblieben sind. Beispiele dafür sind: wie findet man persönliches Glück, wie etabliert man einen Lebenssinn, wie ist die materielle Existenz gespiegelt in der spirituellen Dimension? Wir werden auch fragen, wie die persönliche Situation eines Individuums im politischen Kontext gestaltet ist.

Leseliste: Manche Texte sind über die Canvas-Seite unseres Kurses verfügbar, andere sind auf dem Syllabus verlinkt. Sie müssen also die Werke nur herunterladen und lesen. Sie können sie dann auch ausdrucken oder sie nur elektronisch zur Verfügung haben. Aber Sie müssen immer als Teil Ihrer Hausaufgaben die Texte bearbeiten, unterstreichen, mit Farben unterlegen, Fragen einfügen etc.

 

Bitte lesen Sie alle Texte wie im Syllabus angezeigt vor dem Kurstreffen, damit Sie am meisten davon profitieren. Das ist dann immer automatisch Ihre Hausaufgabe. 15% Ihrer Note hängen auch von Ihrer aktiven Teilnahme ab, was eben die vorherige Lektüre notwendig macht. Danke. Hier die vollständige Liste, aber wir werden vielleicht nicht alles lesen können.

 

  1. Heinrich Böll: Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral (20. Jh., auf Canvas
  2. Mechthild von Magdeburg (13. Jh.) (Texte in meinem Lesebuch, PDF (Links to an external site.)Das deutsche Mittelalter in seinen Dichtungen)
  3. Werner Bergengruen: „Der Strom“ (20. Jh., auf Canvas
  4. Mittelhochdeutsche Mären (14.-15. Jh.) (Lesebuch)
  5. Angelus Silesius (17. Jh.) (Lesebuch)
  6. Catharina Regina von Greiffenberg (17. Jh.) (Lesebuch)
  7. Goethe, Faust I; http://www.gutenberg.org/files/21000/21000-h/21000-h.htm (Links to an external site.)
  8. Elisabeth Langgässer (20. Jh.) (auf Canvas)
  9. Yoko Tawada (20./21. Jh.): https://www.lyrikline.org/de/gedichte/die-zweite-person-ich-13801 (Links to an external site.))
  10. Paul Celan, „Die Todesfuge“ (20. Jh., auf Canvas)
  11. Horst Rupp, „Die Männer“ (20. Jh., auf Canvas)

 

Benotung:

  1. wöchentliches Tagebuch, immer am Freitag per online einreichen, freies Schreiben, ca. 400 Wörter pro Woche. Reflektieren Sie darüber, was wir diskutiert und gelernt haben. Sie können auch Fragen stellen oder Kritik formulieren. Wichtig ist für mich auch, dass Sie immer mit dem neuen Wortmaterial arbeiten. Das Ganze bitte sehr locker (es geht nicht unbedingt um grammatische Korrektheit, solange Sie gute, klare Gedanken zum Ausdruck bringen): 6 mal: 25%
  2. aktive Teilnahme, mündlich, schriftlich: 25%
  3. ein Vortrag zu dem jeweiligen Dichter/Autor, oder zur Epoche: 10% (Biographie, historischer oder kultureller Kontext), meist am Montag oder Dienstag
  4. drei schriftliche Arbeiten: Ich werde Essay-Fragen formulieren, die ich jeweils am Freitag verteile. Fällig dann am Sonntagabend 20 Uhr: 40%

Lernziele:

‒ Vertrautheit mit Formen und Stilmitteln der jeweiligen Gattungen in ihrem historischen Kontext

‒ Bewusstsein über zentrale Probleme und Fragestellungen in der deutschen Literaturgeschichte

‒ Erweiterung und Vertiefung des Wortschatzes zur Analyse und Interpretation von Literatur

‒ Fähigkeit, anhand von individuellen literarischen Werken fundamentale Fragen nach der Lebensbewältigung und der Sinnsuche zu diskutieren, schriftlich und mündlich

 

Alle Vorschriften und Informationen der Deutschen Schule zu den folgenden Fragen finden Sie in Langfassung auf einem externen Google Dokument hier:

https://docs.google.com/document/d/1PE9AAhOwYCOLG4OQcY1I4RdSRlgp4rTDuQCkHIt9gxM/edit (Links to an external site.)

 

In Kurzform sind unsere Vorgaben wie folgt:

Lernbeeinträchtigungen: 

StudentInnen mit dokumentierten Lernbeeinträchtigungen sollten umgehend mit unserem ADA-Office am Middlebury College in Kontakt treten: Jodie Litchfield, jlichfie@middlebury.edu. Die Direktion (Bettina Matthias, Tessa Wegener) der Deutschen Schule wird dann in Absprache mit diesem Office die nötigen Anpassungen für Sie in die Wege leiten.

 

Abwesenheiten:

Generell gilt: wenn Sie mehr als drei unentschuldigte Abwesenheiten haben, bekommen Sie ein automatisches „F“ in diesem Kurs, drei Verspätungen von mehr als fünf Minuten gelten als eine Abwesenheit.

 

Anti-Diskriminierung- und Anti-Belästigungs-Vorschriften (Title IX), auch im Space:

Das Programm der Deutschen Schule 2021 untersteht in allen Teilen den Prinzipien und allen Vorschriften, die im College Handbuch ausformuliert sind. Dies gilt insbesondere für die Vorgaben in Bezug auf jede Form der Belästigung, der Diskriminierung und des sozialen, psychologischen wie akademischen Fehlverhaltens. Die genauen Informationen zu Middleburys Title IX Vorgaben finden Sie hier: http://www.middlebury.edu/about/handbook/handbook_archive/handbook-2018-2019/policies-for-all/genl-principles/non-discrimination-statement (Links to an external site.) 

 

Der Middlebury “Honor Code”:

Die Deutsche Schule ist den Grundsätzen akademischer Ehrlichkeit und integren Arbeitens verpflichtet, wie sie auch im offiziellen “Honor Code” des Colleges festgeschrieben sind (http://www.middlebury.edu/search?q2=Honor+Code (Links to an external site.)). Unerlaubte Hilfsmittel (inkl. online) oder Hilfe von anderen oder für andere, Plagiate und mangelhafte bibliografische und Nachweise für Zitate usw. sind im Rahmen unseres Honor Codes nicht zulässig. Eine kurze und gute Phrase, um Ihre Verpflichtung zum ehrlichen Arbeiten zu formulieren, ist: “Ich habe nicht gemogelt.” 

 

Pronomen im Deutschen:

Personen wie Nomen haben im Deutschen ein fest definiertes Geschlecht (maskulinum, femininum, neutrum) ‒ diese Geschlechterzuweisung ist derzeit (noch) Teil des normativen Sprachmaterials und wird dementsprechend in Middlebury im Unterricht als Teil des kulturell bedingten Lernstoffs vermittelt. Wir bitten jedoch alle, sich der Implikationen dieser rigiden Sprachregelungen bewusst zu sein und ggf. Rücksicht auf die Bedürfnisse und Präferenzen von KursteilnehmerInnen oder Lehrenden zu nehmen. Setzen Sie sich bitte mit Ihrer Lehrkraft in Verbindung, sollten Sie mit einem bevorzugten Geschlecht/ Pronomen angesprochen werden wollen. Derzeit gibt es im Deutschen noch Grenzen in Bezug darauf, was sprachlich möglich ist. Wir werden uns jedoch bemühen, jeweils gemeinsam Lösungen zu finden, die für alle funktionieren.

 

Zoom-Vorschriften, Etikette und Dekorum (hoffentlich nur für die 1. Woche):

Sehr wahrscheinlich haben Sie fast alle in den vergangenen 14 Monaten viele Stunden per Zoom am Unterricht teilgenommen. Die Zoom Etikette (störungsfreies Umfeld, Mikrofon normalerweise aus „stumm“, Kameraeinstellungen) ist Ihnen sicher bekannt. Die genauen Erwartungen der Deutschen Schule dazu finden Sie in unserem Google Doc hier:

https://docs.google.com/document/d/1PE9AAhOwYCOLG4OQcY1I4RdSRlgp4rTDuQCkHIt9gxM/edit (Links to an external site.)  

 

Die Notenskala der Deutschen Schule und Kriterien für die Benotung mündlicher Mitarbeit finden Sie ebenfalls auf unserem Google Doc: https://docs.google.com/document/d/1PE9AAhOwYCOLG4OQcY1I4RdSRlgp4rTDuQCkHIt9gxM/edit (Links to an external site.)

 

 

 

 

Kursplan:

  1. Woche: Kennenlernen, Grundsatzdiskussion, welche deutschsprachige Literatur kennen Sie, welche Rolle spielt Literatur des 19. 18. oder 17. Jahrhunderts, und die des Mittelalters? Wir lesen: Heinrich Böll (20. Jh.) und Hartmann von Aue (12. Jh.)

 

  1. Juni: Heinrich Böll: „Anekdote zur Verbesserung der Arbeitsmoral“

29 Juni: Heinrich Böll, „Anekdote“. Kapitalismuskritik; deutscher Tourismus, Nord-Süd Konflikte; Rolle Italiens für Deutschland. 1. Vortrag zu Böll

  1. Juni-2. Juli: Hartmann von Aue, „Der arme Heinrich“, 2. Vortrag zum Dichter.

2. Juli: 1. Tagebuch, 20 Uhr

 

  1. Woche: Spätmittelalterliche Diskussion über Liebe, Ehe und Sexualität: Aussagekräftige Analogien zu uns heute

 

5.-6. Juli: „Ritter Alexander“. Ehekonflikte im Spätmittelalter. 3. Vortrag

7.-8. Juli: „Friedrich von Auchenfurt“: Liebe und Tod

  1. Juli: „Der Edelmann mit den vier Frauen“;

 9. Juli: 2. Tagebuch 20 Uhr

11. Juli: Aufsätze zu Fragen 1, 21 Uhr

 

  1. Woche: Werner Bergengruen (20. Jh.): Die Entwicklung des Individuums durch Liebe (Mo bis Frei)

 

 Bergengruen: „Der Strom“, S. 203-205 Der ‚vergessene‘ Autor. Kanonfragen; Inneres Exil. 4. Vortrag zu Bergengruen und/oder zum Inneren Exil

  1. Juli: S. 206-210
  2. Juli: S. 2011-219
  3. Juli: S. 220-225
  4. Juli: S. 226-230
  5. Juli: S. 231-233

16. Juli: 3. Tagebuch 20 Uhr

 

  1. Woche: Das Streben des Individuums nach Wissen in Philosophie und im Alltag

 

19.-21. Juli: Goethe: Faust, Prolog im Himmel, Fausts erster Monolog (Vortrag zu Goethe wäre auch willkommen)

22.-23. Juli: Ruprecht von Würzburg, „Die getreue Kaufmannsfrau“: Liebe, Ehebruch, Treue, die Rolle von Frauen; 5. Vortrag; Frauen im Mittelalter; oder: wer war Ruprecht? Oder: Die Rolle des Kaufmanns in der deutschen Literaturgeschichte

23. Juli: 4. Tagebuch 20 Uhr

25. Juli: Aufsätze zu Fragen 2, 21 Uhr

 

  1. Woche: Vom 17. zum 20. Jahrhundert: Andreas Gryphius, Angelus Silesius und Bertolt Brecht: Sinnsuche durch Gedichte

 

  1. Juli: kurze Einführung zum Barock; dann Andreas Gryphius: „Es ist alles eitel“ und „Tränen des Vaterlandes“. 6. Vortrag (Barock und/oder Gryphius)

27.-28. Juli: Angelus Silesius; die ersten 10 Epigramme. Lebenssuche, Spiritualität, Epistemologie im Epigramm 7. Vortrag

29.-30. Juli: 20. Jahrhundert: Bertolt Brecht: „Ballade von Laotse“. Das Verhältnis zwischen dem Individuum und der Gesellschaft. 8. Vortrag zu Brecht, zu Laotse, zur Kritik an Diktatur

30. Juli: 5. Tagebuch 20 Uhr

 

  1. Woche: Die Suche nach dem Selbst: Lyrik des 20. und 18. Jahrhunderts und eine Verserzählung des 13. Jahrhunderts

 

  1. Aug.: Yoko Tawada: Auswahl ihrer Gedichte. Sinnsuche in der Sprache, Interkulturalität.

3.- 4. Aug.: 17. Jahrhundert: Catharina von Greiffenberg: Rolle von Frauen im Barock; religiöse Lyrik; Mystik. https://www.zgedichte.de/gedichte/catharina-regina-von-greiffenberg.html (Links to an external site.): „Auf meinen bestürmeten Lebens-Lauff“ und „Bey Ansehung der Sternen“, Catharina: „Das Tugend-ersprießliche Unglück“ und „Gegen Amor“. 9. Vortrag

5.-6. Aug.: Konrad von Würzburg: „Heinrich von Kempten. 10. Vortrag zu Konrad, zu Literatur in der Stadt des Spätmittelalters

8. Aug.: Aufsätze zu Fragen 3, 21 Uhr

 

  1. Woche: 20. Jahrhundert: Holocaust und Vergangenheit: Paul Celan, Elisabeth Langgässer und Horst Rupp (Mo bis Do): Das Individuum unter dem Naziregime, Holocaust, Vergangenheitsbewältigung
  2. Juli: August: Paul Celan. 10. Vortrag
  3. August: Elisabeth Langgässer
  4. August: Horst Rupp, „Die Männer von Brettheim“ (2021); 6. Tagebuch 20 Uhr
  5. Aug.: Letzte Seminarstunde. Rückblick, Auswertung

 

Ich wünsche Ihnen viel Freude und Erfolg in diesem Kurs!

(Ich hatte an einen zusätzlichen Text gedacht, lasse dies aber bleiben, doch allgemein empfehle ich: Max Frisch: Andorrahttps://www.lehmanns.de/shop/literatur/28532549-9783518734803-andorra (Links to an external site.)

Oder die Kindle Version: https://www.amazon.de/Andorra-St%C3%BCck-Bildern-Max-Frisch-ebook/dp/B00GRYD35W (Links to an external site.)). Ich empfehle den Text stark als Privatlektüre, er ist sehr aussagekräftig; und ich wäre sehr gerne bereit, privat mit Ihnen darüber zu sprechen.